Was üben wir im Ki-Aikido?

Shinshin Toitsu Aikido – Aikido in Einheit von Geist und Körper, oft auch einfach Ki-Aikido genannt – wurde 1974 von Soshu Koichi Tohei Sensei (10. Dan Aikido) begründet. Basierend auf dem grundlegenden Ki Prinzip Mind moves Body lernen wir unsere natürlichen Fähigkeiten voll zu nutzen sowie andere zu respektieren und sie effektiv zu führen.

Zunächst lernen wir im Rahmen des Ki-Trainings die Prinzipien natürlicher Haltung basierend auf einem ruhigen Geist, und lernen dann diese Prinzipien in der Bewegung (in den Ki-Übungen, ohne Partner) und in verschiedenen anderen Übungen wie z.B. in der Ki-Atmung anzuwenden. Wahre Ruhe in Einheit von Geist und Körper ist jedoch die Ruhe, die dem Zentrum eines Hurrikans gleich auch in Aktion und bei Konflikten erhalten bleibt. Diese Übertragung in die geistige und körperliche Kommunikation auch und gerade in Konfliktsituationen üben wir im Ki-Aikido. Zusammen mit einem Partner üben wir, die natürliche Haltung und Selbstkontrolle zu wahren und den Partner zu führen. Wenn wir versuchen jemanden mit unserem selbstsüchtigen Geist zu etwas zu bewegen, wird sein Geist widerstreben. Ebenso wenig wird er sich mit Kraft oder Gewalt physisch bewegen lassen, da sein Geist sich automatisch wehrt. Im Shinshin Toitsu Aikido üben wir, unser Gegenüber zu respektieren und ohne Konflikt zu führen. So können wir unabhängig von körperlicher Größe oder Stärke den Partner führen. Dies wird erreicht durch das Befolgen der 5 Prinzipien des Shinshin Toitsu Aikido: 

1. Ki fließt 

2. Erkenne den Geist deines Gegenübers 

3. Respektiere das Ki deines Gegenübers 

4. Versetze dich an die Stelle Deines Gegenübers 

5. Handle mit Vertrauen. 

In den verschiedenen Ki-Aikido-Techniken und -Übungen können wir lernen, bei Herausforderungen oder Konflikt unsere zentrierte, lebendige Ruhe zu wahren, und ohne Konfrontation, Widerstand, Zwang oder Gewalt angemessen zu agieren. Anhand des physischen Übens mit einem Partner werden so die Ki Prinzipien praktisch und auf allen Wahrnehmungsebenen erfahren. In der Meditation und Ki-Atmung entdecken wir unser natürliches Einssein mit dem Universum wieder. Gehören auch andere Menschen zu diesem Universum? Kann ich auch mit ihnen eins sein, auch wenn sie mich herausfordern, oder gar angreifen? Philosophien und Konzepte nützen im Kopf allein nicht viel – im Ki-Aikido lernen wir, die theoretischen Konzepte und Prinzipien mit unserem ganzen Sein in Einheit von Geist und Körper zu erfahren und in der praktischen Anwendung mit Leben zu erfüllen.

Ki-Aikido üben wir meistens paarweise. Dabei üben wir Formen, in denen ein uke („Angreifer“) vom nage („Verteidiger“) zu einer gewaltfreien Lösung des Konfliktes geführt wird. Das ist fast immer am Boden, entweder durch Ablegen des uke, oder durch Projektion, so dass der uke zu Boden geht oder wegrollt. 

Dazu kommt das Üben der Entwaffnung eines uke, der mit einem Holzmesser (Tanto), -Stock (Jo) oder -Schwert (bokken) angreift. Außerdem üben wir Soloformen mit Jo und Bokken. Neben dem höheren Fokus in diesem Training, üben wir hier vor allem auch Objekte die wir in der Hand halten in unsere Einheit von Geist und Körper einzuschliessen, wir sagen „mit Ki zu halten“, als wären sie ein Teil von uns. Dies ist sehr hilfreich für Menschen die z.B. handwerkliche Berufe ausüben (Werkzeuge halten), aber selbst beim Autofahren kann ich das Lenkrad einfach mit Kraft greifen, es mit der Hand ohne echte Verbindung zu lose halten, oder eben „mit Ki halten“.

Ki-Aikido kann ohne Einschränkung von allen Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht oder sportlichem Talent geübt werden. Zu lernen, andere Menschen nicht nur zu respektieren, sondern darüber hinaus immer mehr unser eigentliches Einssein zu erfahren, statt uns als getrennte Wesen zu sehen, die damit unweigerlich im Wettstreit stehen, ist auch für unser tägliches Leben von großer Bedeutung. Wir können dies anwenden im Management, als Führungskräfte, in der Bildung, in der Kindererziehung… es gibt keinen Bereich unseres Lebens, der nicht positiv beeinflusst wird.