Die leichtsinnige Annahme

— von Christopher Curtis Sensei (Übers.: Olaf T. Schubert) —

Guten Abend allerseits. Onegaishimasu.

Unsere heutige Diskussion befasst sich mit Koichi Tohei Sensei’s Ausspruch: „Es ist leichtsinnig anzunehmen, dass eine Handlung wiederholt werden kann.“

Ich lese aus dem letzten Blog von Shinichi Tohei Sensei mit dem Titel „Lebendige Ruhe“, wo er sagt:

„Ruhe und Langsamkeit mögen in ihrer Bedeutung nahe beieinander liegen, aber sie sind nicht dasselbe. Es ist falsch, von einem Anfänger Ruhe zu erwarten. Es wäre nur eine langweilige Langsamkeit.

Das Ausführen der Techniken des Shinshin Toitsu Aikido bietet dieses Beispiel. Eine „angeberische“ Bewegung hat Unvernunft und Verschwendung. Wenn diese unnötigen Bewegungen weggelassen werden, offenbart die Größe Eurer Bewegung eine große Ruhe.

Eine Bewegung, die Ruhe hat, hat tatsächlich eine große Kraft. Im Gegensatz dazu hat eine unruhige Bewegung keine Kraft. Und Langsamkeit der Bewegung an sich hat überhaupt keine Kraft.

Wenn Ihr in Eurer täglichen Praxis Eure eigene Bewegung und die anderer Menschen unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, werdet Ihr vielleicht etwas Neues entdecken.“

Viele Aikido-Schüler üben nachlässig und gehen immer davon aus, dass sie eine Handlung wiederholen, um sie zu perfektionieren. Natürlich haben wir diese Idee, alles im Aikido zu wiederholen. Wir tun dies, um die Bewegungen zu verfeinern. Wir machen dieselbe Bewegung wieder und wieder und wieder, mit der Idee, Perfektion zu schaffen. Aber es ist eigentlich keine Wiederholung, denn wie Tohei Sensei sagt, wird nichts jemals wiederholt. Jedes Mal, wenn wir etwas tun, ist es anders, und das ist es, was Tohei Sensei mit diesem Satz meint. Es ist leichtsinnig, anzunehmen, dass eine Handlung wiederholt werden kann.

Sayaka, würdest Du den Satz bitte auf Japanisch vorlesen? (Sayaka liest)

Ich danke Dir vielmals. In Ordnung, machen wir etwas Ki-Atmung. 

(10 Minuten Ki-Atmung)

Der Grund, warum ich euch den Auszug aus dem Blog von Shinichi Tohei Sensei vorlesen wollte, ist, dass es hier ein Paradoxon gibt – eine Art von Widerspruch. Natürlich müssen wir Dinge wiederholen, um sie zu lernen, denn nichts ist jemals gleich. Jedes Mal, wenn etwas geschieht, ist es einzigartig. Das ist in jedem einzelnen Moment unseres Lebens so. Und natürlich, wenn wir dieselbe Handlung wiederholen, z. B. wieder und wieder schneiden, oder einen Ki-Test geben, kann es so aussehen, als sei es identisch. Aber das ist es nicht. Also

das Paradoxe ist, dass wir es so tun müssen, als ob wir versuchen, die identische Sache zu erfassen, aber da sie jedes Mal verfeinert wird, ist sie jedes Mal anders. Und das ist genau die Art und Weise, wie die Entwicklung stattfindet.

Das ist es, worüber Shinichi Sensei in diesem Blog spricht. Er erwähnte, dass, wenn er professionelle Baseball-Spieler beobachtete, ihre Bewegung so präzise, so sauber, so leer von allen Extras war. Und als Ergebnis war sie sehr kraftvoll. Und, natürlich, sehr natürlich. Das ist es also, was wir im Aikido zu lernen versuchen. Und wir lernen das, indem wir diese sich wiederholenden Bewegungen üben. Jeden einzelnen Tag, immer und immer wieder.

Wenn ihr das Ausatmen und Einatmen übt, die Ki-Atmung, habt ihr da jemals das Gefühl, dass ihr euch ein bisschen langweilt? Das passiert uns nur, wenn wir nicht mit der Handlung verbunden sind, wenn es sich anfühlt, als würden wir etwas wiederholen. Das bedeutet, dass wir nicht bewusst sind. Oder? So vergessen wir unseren Zweck in diesem Moment und wir verlieren die Einzigartigkeit davon. Vielleicht denken wir, dass unser Zweck nur darin besteht, es ein paar Mal zu wiederholen, und dann werden wir besser werden. Aber jedes Mal, wenn wir es wiederholen, müssen wir es lieben, wenn wir es wirklich vollständig erleben und so wirklich besser werden wollen. Wir müssen erkennen und uns daran erinnern, was wir tun, und es mit Freude tun. Und warum? Weil es leichtsinnig ist, anzunehmen, dass es eine Wiederholung ist, wenn es das nie ist. Es fühlt sich nur so an, wenn wir nachlässig üben.

Ein gutes Beispiel ist das Geben eines Ki-Tests. Natürlich lehre ich euch das schon seit 20 Jahren, und einige von euch noch viel länger. Und trotzdem höre ich immer noch Leute sagen, dass sie Schwierigkeiten haben, einen Ki-Test zu geben. Und warum? Nun, es muss daran liegen, dass ihr ihn erstens vielleicht nicht oft genug genau so wiederholt habt, wie ich es euch gezeigt habe. Oder zweitens, während ihr den Ki-Test wiederholt, habt ihr euch vielleicht selbst beobachtet und darüber nachgedacht, wie man ihn richtig macht.

Beim Jokyu-Ki-Test zum Beispiel stellen wir uns vorne hin, dem Prüfling gegenüber. Und das erste, was wir tun, ist, dass wir schauen. Und selbst während wir auf die Person zugehen, beobachten wir sie, sehen ihren Geisteszustand, ihren Seinszustand, wir sind uns dessen voll bewusst. Wir berücksichtigen alles, alle Gefühle, die wir von ihr bekommen, während wir auf sie zugehen. Und dann, zweitens, strecken wir unsere Hand aus und legen sie sanft auf ihre obere Brust, etwa so. Auf diese Weise können wir tatsächlich die Schwingung in ihrem Körper spüren, wir können ihren Zustand der Stabilität fühlen, dafür ist diese Berührung gedacht. Zu diesem Zeitpunkt müsst ihr genau wissen, wie ihr Geisteszustand ist, ob sie stabil ist oder ein bisschen instabil. Und so üben wir dann drittens einen ganz leichten Druck auf ihren oberen Brustkorb aus, um dem Prüfling zu bestätigen, was wir bereits wissen, den Zustand seines eigenen Geistes.

Diese drei Schritte sind die kritischen Elemente beim Geben eines Ki-Tests. Und immer, wenn ich sehe, dass Schüler damit zu kämpfen haben, liegt es daran, dass sie diese drei Schritte nicht vollständig ausführen. Alle drei Schritte, Sehen, Fühlen und Bestätigen, haben alle mit der anderen Person, dem Prüfling, zu tun, nicht mit euch. Wenn ihr euch abmüht, tut ihr das, weil eure Aufmerksamkeit auf euch selbst und eurer eigenen Handlung liegt, nicht auf dem Geisteszustand des Prüflings. Wenn ihr also üben möchtet, einen Ki-Test zu geben, könnt ihr sogar in Meditation sitzen, während ihr das tut. Schließt einfach die Augen. Stellt euch vor, dass ihr  seht, berührt und fühlt, und dann bestätigt, ob die Person stabil ist oder nicht, und wenn die Person nicht stabil ist, bewegt ihr eure Hand leicht nach vorne.

Es geht also nicht darum, „die Hand sanft auf die Person zu legen und sie dann zu schieben“, wie ich so oft höre. Okay, das ist eine sehr altmodische Idee. Aber dieses Ki-Testen hat einen langen Weg hinter sich. Es ist also mehr und mehr und mehr verfeinert worden.

Ein anderes Beispiel: Einmal, vor vielen Jahren, bat mich ein Lehrer, ein Jahr lang jeden Morgen so und so viele Wiederholungen von ude mawashi zu machen. Als er mich bat, dies zu tun, sagte ein anderer Schüler im Unterricht: „Warum hast du uns nicht gesagt, dass wir das alle tun sollen? Warum hast du nur ihm gesagt, dass er das tun soll?“ Und er sagte: „Weil er es tun wird und du nicht.“ Das setzte mich also unter Druck, und ich habe natürlich mein Bestes gegeben. Aber es war natürlich bei weitem nicht perfekt. Und ich brauchte lange, lange Zeit, um an den Punkt zu kommen, an dem ich die Anzahl machen konnte, die er von mir verlangte, was eine Menge war. Aber nach sechs Monaten war ich endlich in der Lage, damit aufzuhören es so zu tun, als ob ich es wiederholen würde. Zu diesem Zeitpunkt wurde es schließlich jedes Mal eine neue Übung, wenn ich sie machte. Ich mache immer noch Toitsu Taiso, die „Drei-Minuten-Übung“, am Morgen, und sie endet mit ude mawashi, und weil ich das so oft gemacht habe, ist es noch lebendiger als der Rest der Übung.

Ich habe euch die Geschichte vom Schneiden mit Suzuki Sensei erzählt. Es hat 15 Jahre gedauert, bis ich vergessen konnte, dass ich mich wiederholte, um perfekt zu werden. Denn man kann niemals perfekt werden. Du wiederholst dich, um das Gegenteil zu erkennen: dass jeder Moment wirklich frisch und neu ist. Das gilt für jeden einzelnen Teil unseres Lebens.

Vielleicht wollt ihr euch jetzt in Gruppen zusammensetzen und das ein wenig diskutieren.

(15 Minuten Pause für Gruppendiskussion)

Schüler: Wir hatten eine sehr interessante Diskussion über das Thema, das Du eingeführt hast. Wir haben zwei Elemente besprochen; ein Element, das ein Beispiel für die Wiederholung von etwas ist, ist Ki-Atmung, und das zweite ist das Streben danach, etwas perfekt zu machen.

Beim Ki-Atmen sind wir uns einig, dass jede Bewegung jedes Mal anders ist, und dass wir in der Lage sind, Bewusstsein zu haben, um einen Zustand der Geistesruhe und einen Zustand der Vereinigung von Körper und Geist zu erreichen, und damit waren wir alle einverstanden.

Aber das andere Thema, das wir besprochen haben, ist Perfektion. Wir wissen, wenn wir eine Bewegung wiederholen, wieder und wieder und wieder, dann deshalb, weil wir sie perfekt machen wollen. Und da haben wir eine Frage: „Ist Perfektion einzigartig?“ Wenn, während wir jede Bewegung wiederholen, jede anders ist, ist dann auch jede Perfektion einzigartig, oder nicht?

Okay, vielen Dank. Sehr interessant. Es freut mich zu hören, dass alle damit einverstanden sind, dass das Ki-Atmen bei euch gut funktioniert.

Noch einmal, ich habe versucht, deutlich zu machen, dass, egal wie oft man etwas wiederholt, auch wenn man sich bemüht, es zu verfeinern und zu verfeinern und zu verfeinern, immer und immer wieder, mit dem Ziel, es perfekt zu machen, Perfektion in der relativen Welt nicht existiert. Wenn ihr also einerseits nicht diese große Anstrengung des Verfeinerns, Verfeinerns, Verfeinerns, Wiederholens, Wiederholens macht, wenn ihr nicht jahrelang und jahrelang trainiert, dann werdet ihr nie lernen, was Perfektion wirklich ist. Ihr werdet immer noch denken, dass Perfektion das Ergebnis davon ist, etwas immer und immer und immer wieder zu tun.

Aber eigentlich geht es darum, es immer und immer wieder zu tun, bis wir die Vorstellung aufgeben, dass es perfekt wird. Perfektion ist wie ein Akt der Gnade. Wenn es sie überhaupt gibt, muss sie außerhalb des Bereichs des Relativen liegen. Wenn ihr das eines Tages erleben könnt, und es irgendwie für euch wahr klingt, dann ist das eine wunderbare Erfahrung des Erwachens. Eine Erfahrung, die nicht hätte stattfinden können, wenn ihr nicht viele, viele Jahre lang jeden Tag geübt hättet. Ja. Aber es ist nicht wegen eurer wiederholten Praxis geschehen. Ihr denkt vielleicht: „Wie kann das sein? Ich habe mich so sehr angestrengt. Und jetzt ist es passiert. Es muss an mir liegen.“ Ihr denkt so, weil ihr nur auf euch selbst schaut. Das ist verkehrt herum.

Tohei Sensei sagt, dass es Leichtsinn ist, anzunehmen, dass man jemals etwas wiederholen kann. Wenn das so ist, dann muss es so sein, dass wir tatsächlich nichts wiederholen können. Wie könnten wir dann jemals etwas verfeinern, bis es perfekt geworden ist? Das ist die Illusion. Aber wir müssen das alles mitmachen, weil wir glauben, dass die Welt so funktioniert. Also müssen wir diese Art von Übung machen. Aber wir müssen auch irgendwann aufwachen und erkennen: „Oh, ‚die Welt‘ ist nicht so, wie die Welt glaubt, dass sie ist.“ Alles ist genau verkehrt herum. Wir denken, wir sehen eine Sache, aber in Wirklichkeit sehen wir nur ein Spiegelbild der Sache.

Es gibt eine berühmte Geschichte über eine Nonne. Als sie jung war, war sie sehr schön. Und sie wollte ins Kloster gehen, um Zen zu studieren, anstatt zu heiraten. Aber jedes Kloster, zu dem sie ging, wies sie ab, weil sie so schön war. Sie befürchteten, dass die Mönche alle verrückt werden würden, wenn sie sie in das Kloster ließen. Also verbrannte sie sich ihr eigenes Gesicht so stark, dass sie nicht mehr zu erkennen war und kehrte ins Kloster zurück. Dieses Mal sagten sie, sie könne sich ihnen anschließen. Und so praktizierte sie viele Jahre lang. Eine ihrer Aufgaben war es, einen Bambuseimer zum Bach zu tragen, Wasser zu holen und es zurück in die Küche zu bringen. Und sie wiederholte diese Aufgabe täglich. Und natürlich wurde der Eimer alt, und sie hatte Angst, er könnte kaputt gehen. Also war sie sehr vorsichtig, wie sie ihn handhabte. An diesem Tag, mitten in der Nacht, holte sie das Wasser, und sie kehrte damit zurück. Und sie trug es so vorsichtig, dass die Reflexion des Mondes im Wasser im Eimer deutlich zu sehen war. Und dann plötzlich, bumm, brach der Boden des Eimers, und das ganze Wasser lief heraus. Und die Nonne erwachte aus ihrer Täuschung. Plötzlich fiel der Boden heraus – es war ein „Unfall“. Kein Wasser mehr, kein Mond mehr im Wasser – Leere.

Wenn ihr also wieder und wieder mit dem Bokken schneidet, denkt eines Tages daran, dass ihr die Perfektion nicht erreichen werdet. Aber, wenn du Glück hast und diesen Unfall hast, dann wird die ganze Sache vor dir zerplatzen. Und du wirst das, was du all die Jahre nur als Spiegelbild gesehen hast, wirklich zu sehen bekommen. Du wirst also die andere Seite sehen, nicht nur ein Spiegelbild von etwas. Das ist der Sinn der Geschichte. Okay, vielen Dank.

Schüler: Nun, Du hast gerade genau das wiederholt, was wir in unserer Gruppe besprochen haben.

Heißt das, dass euch keine Frage für mich eingefallen ist? Ihr hattet alles schon verstanden?

Schüler: Nun, nein, also werde ich fortfahren. Wir begannen unsere Diskussion mit der Frage, was ist die Geisteshaltung, die dem Moment etwas Neues verleiht? Wir haben ein Beispiel aus dem Urlaub besprochen, und dass es eine ziemlich häufige Erfahrung ist, warum ein Urlaub so viel anders ist als der Alltag. Wir sagen weil es eine andere Geisteshaltung ist, das heißt, man sieht die Dinge anders. Es gibt eine Frische in unserem Tag und wir sind aufmerksamer. Das ist also nicht unbedingt eine Folge davon, wo man ist oder was man tut, sondern nur davon, wo unser Geist ist und wo unsere Aufmerksamkeit ist. Und wir haben uns mit Joelle ziemlich viel unterhalten, weil es eine Parallele zu ihrem Beruf zu sein schien, den sie ausübt. Sie ist eine professionelle Künstlerin. Und so hat sie, durch Wiederholung, einen Zugang zum Neuen entwickelt. Sie sagte, sie sei immer auf der Suche nach einer Entdeckung, einer Inspiration in ihrer täglichen Arbeit. Sie drückte aus, dass es eine Kombination dieser Wiederholung mit einem Ansatz der Suche nach einer neuen Entdeckung ist. Und sie drückte aus, dass sie das Gefühl hat, dass es den Aspekten des Aikido sehr ähnlich zu sein scheint, dass wir in dieser Wiederholung nach Neuem suchen.

Jemand anderes in unserer Gruppe erwähnte, dass man mehr über sich selbst lernt, wenn man Dinge wiederholt. Und die Dinge werden klarer und klarer.

Ich weiß also nicht, ob wir eine Frage hatten, aber ich denke, ich würde das alles zusammenfassen, indem ich sage, dass es eine Unterscheidung gibt, die geteilt wurde, nämlich zu wissen, dass man präsent sein muss. Wenn man das Gefühl hat, dass man präsent sein „sollte“, dann bringt das einem tatsächlich keine Präsenz. Selbst das intellektuelle Wissen, dass der Moment nie wieder passieren wird, bringt einen nicht unbedingt zu der tatsächlichen Erfahrung dessen.

Ich danke euch. Wir denken zu viel. Ich meine damit, etwas zu konzeptualisieren, es in unserem Geist als eine Sache zu halten. Wenn wir denken, wir sollten etwas tun oder nicht tun, dann können wir es nicht gleichzeitig tatsächlich tun. Denn wir trennen uns von der Handlung, indem wir sagen: „Ich sollte meditieren.“ Oder: „Ich sollte mir dessen bewusst sein. Warum bin ich mir dessen nicht bewusst?“ So etwas passiert normalerweise, weil wir das Gefühl haben, dass unser Lehrer uns gesagt hat, dass wir daran denken sollten, uns dessen bewusst zu sein, warum wir diese Aktivität tun. Aber natürlich, wenn wir so denken, trennen wir unser Selbst von der Aktivität.

Noch einmal: Das ist der Grund, warum Schüler oft Probleme mit dem Geben von Ki-Tests haben. Sie erinnern sich, weil ich ihnen immer und immer wieder gesagt habe, „sehen, fühlen und bestätigen“, richtig? Jeder kennt 1, 2, 3. Seht ihr? Also denken sie sich: „OK, jetzt sehe ich, jetzt fühle ich, und jetzt bestätige ich.“ Und das bedeutet, dass man sich komplett von der Aktion trennt. Seht ihr? In diesem Moment seht ihr eine Reflexion der Sache, nicht die Sache selbst. Erst wenn das „Ich“ verschwindet, dann gibt es keine Trennung mehr. Wenn das „Ich“ weg ist, wenn das „Ich“-Bewusstsein verschwindet, wenn da kein „Ich“ ist, dann ist da nur noch das, was ist.

Das ist die Reflexion, auf die in der Nonnengeschichte Bezug genommen wird. Es ist eine Reflexion von etwas Realem, aber die Reflexion selbst ist nicht das Reale. Wenn wir wirklich Liebe für eine andere Person empfinden, sehen wir die andere Person so, wie sie ist, wir bestätigen die andere Person. Dann vergessen wir alles darüber, ob wir etwas richtig oder falsch machen. Diese ganze Idee des Wiederholens und Wiederholens, um etwas zu perfektionieren, ist die Illusion selbst. Und doch, interessanterweise, wenn wir nicht wiederholen und wiederholen, wird der Zufall, der uns erlaubt, das Reale, das Perfekte zu sehen, niemals geschehen.

Manchmal, denke ich, werfen diese Diskussionen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Das ist wahrscheinlich gut so. Ich danke euch sehr.

Schüler: Hallo, alle zusammen. In unserer Gruppe hat Sally, die eine Glasbläserin ist, beobachtet, dass, wenn man auch nur einen Augenblick gezögert hat, alles anders ist. Oder wenn man vorangegangen ist, ist alles anders. Sie sagte, sie beobachte diese schönen Bewegungen bei ihrem Sohn, wenn er Glas bläst. Wir sprachen darüber, dass, wenn wir über das Universum und alles Leben auf der Erde nachdenken, einfach nichts gleich ist. Alles ist einzigartig, von Fingerabdrücken und Schneeflocken bis hin zu den größten Dingen und jedem Molekül, alles ist anders. Und das schließt auch Bewegungen ein, so wie der größte Sportler einem wahrscheinlich sagen würde, dass wir im Moment alle denken, dass er oder sie perfekt aussah. Aber der Athlet würde vielleicht sagen: „Nein, das habe ich nicht ganz richtig gemacht.“

Tracy sagte, wenn man im Moment ist, wenn man einfach im Moment präsent sein kann, dann ist das einzigartig, und es funktioniert. Aber ich kann nicht ganz erklären, was er damit meinte. Zumindest meinte er, dass es frisch und neu ist, im Moment zu sein.

Tohei Sensei sagte gerne, dass wir Ki ausdehnen, wenn wir Spaß haben und genießen. Wenn ihr zum Beispiel sehr, sehr durstig seid und ein Glas Wasser trinkt, dann ist das perfekt. Vielleicht habt ihr so ein Glas Wasser schon tausende Male oder mehr in eurem Leben getrunken. Aber es hat noch nie so angenehm geschmeckt, weil ihr noch nie so durstig wart. Es bedeutet, dass dies so wichtig für euch ist, dass ihr der Erfahrung, dieses Wasser zu trinken, eure ganze Aufmerksamkeit schenkt. Ihr gebt alles, ihr macht es für euch essentiell, also gibt es keine Bewertung.

Aber eigentlich ist es in jedem Moment so. Wisst ihr, die Erfahrung, einfach nur diesen Stift in der Hand zu halten. Es ist außergewöhnlich. Aber es ist nur dann außergewöhnlich, wenn ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die Erfahrung lege, ihn zu halten, mit ihm zu schreiben. Sonst ist es nur ein langweiliger alter Stift. Es ist nur etwas, mit dem ich geschrieben habe, immer wieder, immer und immer wieder.

Ich denke oft an die vier Prinzipien von Suzuki Sensei: „So what, Do nothing, Be natural, Don’t worry be happy.“ Das bedeutet nicht, dass du dich nicht kümmerst (don’t care). Es bedeutet, dass es dir nichts ausmacht (don’t mind). Und damit es uns nichts ausmacht, müssen wir uns sehr tief kümmern. Damit es uns nichts ausmacht, müssen wir unser offenes Herz geben und es für den anderen ausschütten, denn das ist der einzige Moment, in dem das „Ich“ weg ist.

Die Menschen haben so große Schwierigkeiten, das zu verstehen, weil sie denken, sie müssten im Moment sein. „Ich“ wird nie im Moment sein, auch wenn wir es oft so sagen. Tut mir leid, Leute. Das ist niemals möglich. „Ich“ ist nie im Moment. Wenn ich mittendrin bin, dann gibt es nur ein Spiegelbild. Wenn der wahre Mensch (the true one) darin ist, gibt es kein Selbst-Bewusstsein, kein „Ich“. Und das ist es, was jeden Moment einzigartig macht und uns dazu bringt, alles im Moment zu erkennen oder zu erleben. Ich danke euch.

Schüler: Guten Abend, alle zusammen. Guten Abend, Sensei. Als Du von „sehen, fühlen, bestätigen“ oder einfach irgendetwas immer und immer wieder tun sprachst, wir benutzen unseren Verstand, um etwas zu beschreiben, das eine Erfahrung ist, die unser normal denkender Verstand nicht haben kann. Richtig? Wenn ich also zum Beispiel beim Testen tatsächlich Onepoint behalte, wenn ich sehe, dann ergibt sich ganz natürlich die Möglichkeit zu fühlen. Und die Möglichkeit, zu bestätigen, ergibt sich von selbst. Es sind nicht drei getrennte Dinge. Und ich vermute, dass das vielleicht auch beim Bokken-Schneiden so ist, oder bei anderen Dingen wie diesem. Aber ich schätze, meine Frage ist, wie kann ich das für mich nutzen? Wie diese Art von, nur als Beispiel, sehen, fühlen und bestätigen? Ist das eine sinnvolle Sache, über die ich nachdenken kann, um mich selbst zu überprüfen, ohne dass ich, Du weisst schon, es ist immer noch die Falle in die man tappt, darüber nachzudenken? Aber gerade diese drei Erfahrungen, dass ich, wenn ich präsent bin, dass ich fühle und dass ich nicht, in anderen Worten, die Veränderung des Zustandes bemerken kann, sozusagen. Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären soll. Aber ich denke, ich versuche herauszufinden, ob ich zu viel darüber nachdenke. 

Ich würde sagen, dass Du definitiv zu viel darüber nachdenkst. Ich predige immer über das Bemerken. Ich sage immer, ich empfehle, dass Veränderung nur durch tiefes Wahrnehmen zustande kommt. Okay, das ist genau das, was Sehen, Fühlen und Bestätigen bedeutet. Das ist die Natur des Bemerkens. Wenn Du über das Sehen, Fühlen und Bestätigen nachdenkst, dann ist das nur ein Nachdenken darüber und kein tatsächliches Tun. Und das ist der Grund, warum die Menschen sich so schwer damit tun, einen Ki-Test zu geben, geschweige denn zu meditieren, geschweige denn den Abwasch zu machen. Ich meine, wir fahren Auto, träumen vor uns hin und denken darüber nach: „Wie bekomme ich, was ich will?“ Stattdessen wollen wir uns selbst eine Chance geben, und uns stattdessen für das Gefühl öffnen, einfach nur lebendig zu sein. Und das ist nicht das Denken über das Lebendigsein, nicht als eine abstrakte Sache, sondern sehr verbunden mit dem Gefühl, in diesem Körper zu sein. Nicht, dass ich in dem Körper bin, sondern tatsächlich das Gefühl der Existenz. Das macht uns zutiefst dankbar, hier zu sein. Du bist auf dem richtigen Weg. Denk nicht darüber nach. Tu es einfach. Okay.

Nun, ich danke euch allen sehr. Ich danke dir, John, für deine Hilfe. Und ich danke euch allen. Ich hoffe, ich sehe euch am Sonntagmorgen. Aloha.

(Online Training vom 12. Februar 2021)